Language
Hotline: +49 1234 5678 your@company.com

Jedes Leben hat ein Anfang und ein Ende –

wir wollen nicht wegschauen, sondern da sein.

News - Leser

"Nicht warten bis der Prinz kommt!" - Henning Scherf lockt 400 Besucher

16.08.2013 12:54
von katrin silva
(Kommentare: 0)

Er ist ein Menschenfänger – selbstverständlich im positiven Sinne. Die Rede ist von Dr. Henning Scherf. Seinen Worten lauschten am 14. August in Rendsburg zahlreiche Gäste aus ganz Schleswig - Holstein. Mehr als 400 Personen waren am Mittwochabend zur Veranstaltung „Gemeinsam oder einsam? Wie wollen wir im Alter leben?“ ins Hohe Arsenal gekommen.

Dem Redner so nah zu kommen, das hatten die meisten wohl nicht erwartet: Henning Scherf begrüßt persönlich und mit Handschlag, fast jeden Einzelnen. Er nimmt sich Zeit, nachdem er den großen Saal betreten hat, geht durch die Reihen, schüttelt Hände und wechselt ein paar Worte mit den Besuchern. Eine kleine Geste, die Nähe schafft und erahnen lässt, wie der Zweimeterm ann zu dem wohl beliebtesten Politiker der Republik werden konnte.

Mit einigen Grußworten leitet Peter Westphal, Vorsitzender des Fördervereins Hospiz Rendsburg e.V., den Abend ein u nd bemerkt, an Scherf gewandt , trocken: „Diese immense Besucherzahl haben wir wohl Ihnen zu verdanken.“ Der Förderverein Hospiz hatte den Bremer nach Rendsburg eingeladen – und war selbst ein wenig überrascht ob der großen Resonanz.

 

So viel wie ein ganzes Leben

Gut gelaunt stellt Henning Scherf gleich zu Beginn fest, dass dies kein strukturierter Vortrag werde, sondern eine Art Streifzug durch seine Erfahrungen, bei dem Fragen und Austausch mit dem Publikum sehr willkommen seien. „Ich freue mich, dass ich in einer Zeit alt werde, in der man das Alter erleben kann!“, eröffnet der 74 - Jährige. „Heute hat man beim Austritt aus dem Berufsleben noch fast 30 Jahre vor sich – das ist so viel wie früh er ein ganzes Leben. Die Frage ist nur, was wir daraus machen.“

 

Mensch unter Menschen sein

Seit mittlerweile acht Jahren ist Henning Scherf nicht mehr berufstätig. Seitdem ist das Thema „ Leben im Alter “ zu seinem Steckenpferd geworden. Er schreibt Bücher, hält Vorträge, reist durch die Lande und sucht vor allem eins: das Gespräch. „Ich bin interessiert am Menschen, am Leben und an dem, was man daraus machen kann“, beschreibt er seine Devise. Wie kann man diesen letzten Lebensabschnitt für sich und für andere sinnvoll gestalten? Scherf selbst ist nicht nur engagiert in mehreren Vereinen und Organisationen, die sich mit Wohnformen im Alter beschäftigen oder besucht Projekte wie Demenz - Wohngemeinschaften, sondern pflegt darüber hinaus mehrere Hobbys, wie Chor - Singen, Hochseesegeln oder Radfahren. Aktiv sein und unter Menschen sein – laut Scherf auch im Alter Garanten für Lebensqualität. „Meine erste Erkenntnis zum Alter ist folgende: Es ist ein Segen, wenn man nicht allein ist! Und wenn man keine Familie mehr um sich hat, sollte man sich in seinem Umfeld umsehen, nach Nachbarn, Freunden, Bekannten. Jemanden zu finden, mit dem man einig ist: ‚Wir nehmen einander mit.‘ Das ist von unschätzbarem Wert.“

 

Chancen des Alters begreifen

Wie wertvoll ein Leben in vertrauter Umgebung und in Gemeinschaft gerade im Alter ist, lasse sich am Zulauf kleinteiliger Wohnprojekte wie Demenz - Wohngemeinschaften erkennen, so Scherf. Als Beispiel nennt er den Umbau der Gegend um das alte Bremer Fundamt, wo mit der Kombination von Wohnangeboten für Jung und Alt enorme Erfolge verzeichnet werden. „In stationären Einrichtungen in Bremen stehen dagegen mittlerweile rund 1.000 Zimmer leer“, so Scherf. „In der Politik wird das Alter zum Problem gemacht. Dabei gibt es uns Möglichkeiten, die Städte neu zu gestalten. Man muss die altersdominerte Gesellschaft al s Chance sehen“, appelliert er.

 

Aufstehen, losgehen

Wie schwierig es sein kann, Bürgerinteressen und politische Entscheidungen überein zu bringen, weiß Scherf aus eigener Erfahrung : Als Bürgermeister der Stadt Bremen (1995 - 2005), als Mitglied der Bremische n Bürgerschaft (1971 - 1978) und als Mitglied der Landesregierung (1978 - 2005) ging er oft neue Wege. Wohl auch dank dieses Erfahrungsschatzes plädiert er zunehmend für bürgerschaftliches Engagement, dafür, selbst aktiv zu werden – gerade auch in Bezug auf da s Alter. „Sitzenbleiben und warten, dass der Prinz kommt – das funktioniert nicht“, sagt er, und erntet bei den Rendsburgern zustimmendes Lachen.

 

Eine Hausgemeinschaft – Die richtige Entscheidung

So kam es, dass Scherf und seine Ehefrau vor nunmehr 25 Jahr en entschieden, etwas Neues auszuprobieren. Heraus kam die Hausgemeinschaft – ein Wohnprojekt, das sie mit Freunden gründeten, und das Henning Scherf heute zu dem Ansprechpartner für alternatives Wohnen im Alter macht. „Ich habe die Entscheidung für die WG nicht ein einziges Mal bereut. Ich würde immer wieder damit anfangen“, erklärt er, und macht die Zuhörer damit umso neugieriger.

 

Neugierig sein und ausprobieren

Das unmittelbare und unverstellte Interesse am Menschen, die Freu de an Erkenntnis und Erfahrun g sin des, die Henning Scherf nicht nur beliebt machen , sondern für viel e auch besonders vertrauenswürdig. „Seit 25 Jahren wohne ich nun in der Hausgemeinschaft und habe dort alles erlebt: aktive Gemeinschaft, aber auch Pflege und Sterben. Das Alter ist nicht wie im Film – das ist eben das Leben.“ Die Zuhörer wissen seine Offenheit zu schätzen und stell en selbst persönliche Fragen: „Unser Haus und Garten werden uns einfach zu groß – was würden Sie uns raten, Herr Doktor Scherf?“. Henning Scherf kann nicht a nders , als begeistert zu empfehlen : „Wenn Sie mögen: Suchen Sie sich Menschen, mit denen Sie zusammenleben könn en. Das geht nicht von heut e auf morgen, es ist ein Findungs p r ozess. Aber probieren Sie es aus!“ Auch wenn er als Experte für das Alter gilt – wi rklich alt wirkt Henning Scherf selbst nicht. Sein Durchhaltevermögen an diesem Abend übersteigt das einiger Zuhörer um Längen. Beeindruckt von so viel Energie und zufrieden mit einem gelungenen Abend schließt Peter Westphal mit den Worten: „Man hat richti g Lust bekommen, alt zu werden!“  

 

Zurück

Add your Content here

Donec quam felis, ultricies nec, pellentesque eu, pretium quis, sem. Nulla consequat massa quis enim. Donec pede justo, fringilla vel, aliquet nec, vulputate eget, arcu.